LEGENDA AUREA, AGNES

Bedeutung von MORTEM PERDIDIT

ST. AGNES

I.      Einleitung

II.     PERDIDIT

III.   Quellenbeispiele

IV.    Semantische und gematrische Aspekte

V.     ARBOR LIGNI – LIGNUM CRUCIS

I. Einleitung

1.      Wenn es von der Legenda Aurea in der Vergangenheit viele falsche Vorstellungen gegeben hat, so ermöglicht die 2014 im Herder Verlag erschienene lateinisch-deutsche Gesamtausgabe (228 EU), die von dem Baseler Altphilologen Bruno Häuptli übersetzt und wissenschaftlich kommentiert wurde, eine Neubewertung. Denn die Wirkung der bisherigen Übersetzung des Gesamtwerks (1917-1921) durch Richard Benz litt unter dem absichtlich gewählten altertümlichen Deutsch.

2.      Der Autor der Legenda Aurea, Jacobus de Voragine (1230-1298), entstammte einer aristokratischen Familie aus Genua. Als Dominikanermönch wurde er 1266 Prior von Asti und 1267 zum Ordensprovinzial von Oberitalien gewählt. Auf Wunsch seiner Heimatstadt Genua ließ er sich 1292 zum Erzbischof weihen.

3.      Über die Entstehung der Legenda Aurea schreibt Häuptli: "Aus dem Umfang und der Komplexität seines Hauptwerks zu schließen, gingen jahrelange Vorarbeiten voraus, die er, offenbar im Auftrag des Ordens und, wie neuere Untersuchungen nahelegen, mit Unterstützung durch ein Redaktorenteam, neben den Aufgaben als Lektor und als Prior, so daß er das Werk zwischen 1263 und 1266 abschließen konnte."

4.      Die Legenda Aurea ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Sie ist alles andere als eine Sammlung von Heiligenlegenden mit erbaulicher Zielsetzung. Als Ordensbruder von Thomas von Aquin, den er von Ordensversammlungen her gekannt haben mußte, schuf Jacobus de Voragine (JV) analog zu dessen Summa theologica gewissermaßen eine Summa liturgica. Die Legenda Aurea ist demnach ein ausgesprochen gelehrtes Werk von umfassendem Anspruch. Im Prolog legt JV den Sinn der vier Hauptzeiten des liturgischen Jahres in streng numerierten Untergliederungen dar. Die Heiligenbiographien sind innerhalb dieses Rahmens verfaßt, insofern ihr Gedächtnis an wiederkehrenden Tagen des Kirchenjahres gefeiert wurde. Dabei wurden auch neueste Heilige berücksichtigt: Thomas Becket (1118-1170), Franz von Assisi (1181-1226), Elisabeth von Thüringen (1207-1237).

5.      Die Legenda Aurea (LA) hat scholastisch-rationalen und systematischen Charakter. Hinsichtlich der Heiligenbiographien ging es JV darum, die frühesten Quellen aufzufinden und diese, soweit es seiner erzählerischen Konzeption entsprach, wörtlich zu übernehmen. Auf diese Weise wurden theologische und rhetorische Vorzüge spätantiker Literatur bis um 900 Jahre ins mittelalterliche Bewußtsein hinaufgehoben und durch kongeniales Verständnis angeeignet. Eine besondere Anziehungskraft üben die Dialoge zwischen christlichen Heldenfiguren und heidnischen Gegnern aus.

Wie präzise Textgestaltung von numerischer Kontrolle begleitet wurde, zeigt sich in der Fähigkeit des Verfassers, komplizierte gematrische Konstruktionen zu erarbeiten, wie ich für für die heiligen AGATHA LUCIA und AGNES nachgewiesen habe.

6.      Will man für Heiligenlegenden der LA  den Begriff Erbauungsliteratur nicht ablehnen, sondern positiv bewerten, so besteht sie darin, dem Leser Ideale vollkommener Nachfolge Jesu Christi vorzustellen. Der Leser wird sich daran auferbauen, daß Gott in heiligmäßigen Männern und Frauen Wunderbares wirken kann.

7.      Bei der Übersetzung mancher Stellen ist auf tiefere theologische Zusammenhänge zurückzugreifen. Eine solche Stelle findet sich in der Einleitung der Legende der heiligen Agnes.

II. PERDIDIT

1.      Den Haupttext für die Legende von der heiligen Agnes entnahm JV der 90. Predigt (sermo XC) des Pseudo-Ambrosius oder Ambrosiaster, der in derselben Zeit wie Ambrosius (339-397) lebte, aber bisher nicht eindeutig identifiziert werden konnte. JV läßt die ersten drei rühmenden Sätze weg und setzt mit dem thematischen Satz ein:

Tredecimo aetatis suae anno mortem PERDIDIT et vitam invenit.

Die beiden Übersetzungen lauten:

Benz: Da sie dreizehn Jahre alt war, da verlor sie den Tod und fand das Leben.

Häuptli: Sie gab im dreizehnten Lebensjahr den Tod auf und fand das Leben.

2.      Beide Übersetzungen sind ungewohnt und kaum verständlich. Es liegt daran, daß beide Übersetzer die erste Bedeutung von PERDEREvernichten, zerstören ausgeschlossen haben. Der theologische Zusammenhang geht aus mehreren Stellen der Paulusbriefe hervor. Die für PERDIDIT besonders relevante Stelle findet sich im ersten Korintherbrief 15, 20-22:

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.

PERDERE eignet sich für ein Wortspiel: Adam verlor das Leben und fand den Tod. Christus vernichtete den Tod und fand das Leben. Dasselbe kann für Agnes wegen ihrer radikalen Nachfolge Christi gesagt werden: Was eigentlich nur für Christus zutrifft, wird für Agnes als Ehrenbezeugung gesagt.

3.      Die beiden Bedeutungen von PERDERE  lassen sich etwa so erklären: Wenn ich etwa aus Zorn eine kostbare Vase zerschlage, ist sie nicht mehr in meinem Besitz, steht sie mir nicht mehr zur Verfügung, ich bin ihres Besitzes beraubt. Ich bedauere und bereue meine Tat. VERLIEREN bedeutet also eines Besitzes beraubt sein. Diese Bedeutungsbziehung von vernichten und verlieren geht also von einer Selbstschädigung aus.

Jemand kann jedoch auch etwas zerstören in der Absicht, einen Nutzen zu haben. Bei der Eroberung einer Stadt werden z.B. Häuser zerstört oder ein heidnischer Tempel wird zerstört, um die Menschen von ihrem heidnischen Glauben abzubringen und zum christlichen Gott zu bekehren.

4.      PERDERE und INVENIRE bilden ein Gegensatzpaar: eines Besitzes beraubt werden und zu einem Besitz gelangen. Man denkt zunächst an zwei unabsichtliche Handlungen: Irgendwo fällt ein Handschuh aus der Manteltasche und muß als unwiederbringlich abgeschrieben werden, auf der Straße finde ich ein Geldstück. Beide Handlungen können jedoch auch mit Bemühungen verbunden sein: jemand sucht nach einem Grundstück für ein Haus und findet eines, das seinen Vorstellungen entspricht. Er kann dabei auch einen Fehler begehen, etwa wenn er sich durch einen Besitz nur Sorgen einhandelt. Besitzstreben kann dazu führen, sich mit einem gegenwärtigen Besitz nicht mehr zu begnügen, ihn gering zu schätzen, weil man glaubt, etwas Wertvolleres entdeckt zu haben. Man erhofft sich einen Zugewinn an Wert.

5.      Um eine solche Beziehung zwischen PERDERE und INVENIRE geht es offensichtlich in der Paradiesesgeschichte. Sie läuft in folgenden Schritten ab:

–  Gott gebietet ADAM, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen und stellt ihm die Konsequenzen eines Zuwiderhandelns vor Augen: "Sobald du davon ißt, wirst du STERBEN" (Gen 2,17). Ein Grund für das Gebot wird nicht genannt. Eva wiederholt dieses Gebot der Schlange. Diese nennt ihr einen Grund: "Sobald ihr davon eßt, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse." (Gen 3,5) Eva glaubt vielleicht, Gott wolle ihnen ungerechterweise ein GLÜCK vorenthalten und hält den versprochenen Glückszuwachs für erstrebenswert. Sie glaubt ein größeres Glück zu FINDEN.

    Adam und Eva vergessen die Bedingungen ihres bisherigen Glücks und ihren Glückszustand selbst. Sie schätzen ihr bisheriges Leben für gering ein.

    Als sie von der verbotenen Frucht essen, FINDEN sie nicht ein größeres Glück, sondern werden in das Unglück gestürzt, den irdischen Tod zu.

    Sie werden der Gemeinschaft mit Gott beraubt, die ihr bisheriges Glück bildete und das wahre LEBEN ausmacht, das sie nun VERLIEREN, da sie es durch die Schuld des Ungehorsams ihr LEBENSGLÜCK ZERSTÖRT haben.

    Adam und Eva sind einer Täuschung erlegen: sie erstrebten größeres Glück, aber statt Glück FINDEN sie Unglück, sie VERTAUSCHEN das Glück mit dem Unglück, das LEBEN mit dem TOD.

6.      Der ersten Vertauschung folgt eine zweite. Beide Vertauschungen bilden eine Umkehrung. CHRISTUS erstrebt das LEBEN des Paradieses, das er findet, indem er den irdischen TOD für gering einschätzt und ihn freiwillig auf sich nimmt. In seiner Auferstehung GEWINNT und FINDET er das LEBEN. Aus dem Geschick der ersten Menschen, die das LEBEN VERLIEREN und den TOD FINDEN und der Erlösungstat Christi, der das LEBEN FINDET, ergibt sich als fehlende Umkehranalogie den TOD VERLIEREN. Hier nun sind für PERDERE die Bedeutungen VERNICHTEN, ZERSTÖREN einzusetzen. Die Bedeutungsverschiebung unterstützt den Umkehrvorgang.

Die beiden Umkehrvorgänge zeigen einen weiteren Gegensatz: Für Adam und Eva bedeuten PERDIDIT und INVENIT ein passives Erleiden aufgrund ihrer Unbesonnenheit, für Christus hingegen aktive Tätigkeiten, denen das Streben seines ganzen Lebens galt.

7.      Sowohl im Lateinischen als auch im Deutschen sind für PERDERE und INVENIRE Synonyme zu ergänzen, entsprechend den beiden zu vergleichenden Situationen:

Adam verliert das Leben: AMITTEREverlieren

Christus vernichtet den Tod: DESTRUERE, DELEREzerstören, vernichten; SUPERAREüberwinden; VINCEREbesiegen; DEVORARE, ABSORBERE verschlingen

Christus findet das Leben, er gewinnt es.

Auf die Passio der hl. Agnes angewendet, ist also zu sinngemäß zu übersetzen:

SIE BESIEGTE DEN TOD UND GEWANN DAS LEBEN

Eine französische Übersetzung lautet:

elle souffrit la mort et gagna la viesie erlitt den Tod und gewann das Leben.

8.      Die Formulierung des spätantiken Autors setzt die Parallel- und Umkehrsituation von ADAM und CHRISTUS voraus und war vermutlich bereits zu einer vertrauten Formel geworden.

III. Quellenbeispiele

1.      Wir finden einen Teil der Umkehrformel bereits etwa drei Jahrzehnte zuvor bei dem römischen Senator, Schriftsteller und christlichen Konvertiten IULIUS FIRMICUS MATERNUS in seiner Verurteilung der heidnischen Religionen De Errore Religionum Paganarum, die er zwischen 346 und 350 an den Kaiser Constantius richtete. Im Kapitel 25 (oder 26) legt er dar, wie die ursprüngliche Heilsordnung, die durch die Schuld Adams gebrochen wurde, durch Christus wiederhergestellt werden mußte. Das ganze Kapitel gestaltet diese Parallelität. Dreimal beschwört er das Unglück Adams und der Menschheit mit dem Verb PERDIDIT:

Is PEREVAM deceptus, diaboli persuasionibus, promissae sibi gloriae perdidit dignitatem.

Dieser verlor durch Eva, auf Grund der Überredungskünste des Teufels, die Würde der ihm versprochenen Herrlichkeit.

… promissorum a Deo praemiorum perdidit gratiam.

Er verlor die Gunst der ihm von Gott versprochen Belohnungen.

… Adam praevaricatione propria promissam PERDIDIT VITAM.

Adam verlor durch eigene Übertretung das versprochene LEBEN.

All dies, so fährt Firmicus Maternus fort, MUSSTE wiederhergestellt und berichtigt werden (Oportebat hoc totum et reformari et corrigi). Aus zwei Gründen wurde das Wort Gottes durch Maria (PER MARIAM) Mensch:

1. … immortalitatem ACCEPIT.

Er nahm Unsterblichkeit an.

2. ut hominem liberaret, ut MORTEM VINCERET, ut fragilitatem humani corporis cum divina immortalitate coniungeret.

Um den Menschen zu befreien, um den Tod zu besiegen, um die Schwäche des menschlichen Leibes mit göttlicher Unsterblichkeit zu verbinden.

Hier besteht der Verfasser nicht auf die volle verbale Parallele, sondern verwendet VINCERE statt PERDERE.

Nun faßt Firmicus Maternus seine Darlegung mit den beiden Verben zusammen:

quidquid Adam PERDIDIT Christus INVENIT.

Alles, was Adam verlor, gewann Christus.

Durch INVENIT werden soll eigentlich er gewann zurück ausgedrückt werden, doch der Verfasser wollte offenbar auf die bereits vertraute und aussagekräftige Formel nicht verzichten. Er konnte sie wohl verwenden, weil er zwei Sätze zuvor dasselbe bereits eindeutiger gesagt hatte:

… lignum crucis VITAM immortali compage RESTITUIT.

Das Holz des Kreuzes stellte in unsterblicher Fügung das LEBEN wieder her.

2.      Die Bedeutung des Gegensatzpaares PERDIDITINVENIT muß einem ersten Christen, der es verwendete, wie eine blitzartige Erleuchtung durch den Sinn gefahren sein. War denn nicht auch die lateinische Sprache, ähnlich den Schriften des Alten Testaments, durch göttliche Vorsehung auf die Menschwerdung des Wortes Gottes ausgerichtet? Enthüllte das Wort PERDERE erst in der heilsgeschichtlichen Gegenüberstellung von ADAM und CHRISTUS seine wahre Doppelbedeutung von VERLIEREN und VERNICHTEN? In Zukunft wurde bei dieser Gegenüberstellung immer wieder PERDERE und INVENIRE zurückgegriffen.

Der Ausdruck MORTEM INVENIREden Tod finden ist in der römischen Literatur nur sechsmal bezeugt, am frühesten in Vergils Aeneis 2, 645 in nicht eindeutigem Verständnis:

Ipse manu mortem inveniamIch selbst werde mit der Hand den Tod finden, entweder gegen den Feind kämpfend oder durch Selbstmord?

3.      Die Agnes Version wird in mittelalterlichen Texten verschiedentlich wiederholt. Von Interesse ist besonders die Wendung MORTEM PERDIDIT. Sie befindet sich in einem Hymnus des PETRUS DAMIANI (1006-1072) über den heiligen FIDELIS, der der Überlieferung nach etwa 304 am Comer See den Märtyrertod starb. Die erste Strophe lautet:

Magna Fidelis merita

Sancta promit Ecclesia.

Qui morte mortem perdidit,

Et victor astra petiit.

Die großen Verdienste des Fidelis

Würdigt die Heilige Kirche.

Durch seinen Tod vernichtete er den Tod

Und siegreich stieg er in den Himmel auf.

PERDIDIT wird synonym wiederholt durch VICTOR.

Häufig findet sich die Wendung: (Christus) MORIENDO MORTEM superavit/destruxitdurch seinen Tod hat er den Tod vernichtet. Neutestamentliches Zeugnis ist Paulus, zweiter Brief an Timotheus 1,10 in der Übersetzung des Hieronymus: qui destruxit quidem mortemder den Tod vernichtete.

4.      In einem Gedicht über die Auferstehung (de resurrectione) dichtet Johannes Scotus Eriugena, Gelehrter am Hofe Karls des Kahlen (10.Jh.) den Pentameter:

Morte sua mortem PERDIDIT ipse meamDurch seinen Tod vernichtete er auch den meinen.

5.      Der Reformator Urban Rhegius (1489-1541) zitiert Jesaia 25,8 in eigener Formulierung:

"Mortem PERDIDIT in aeternum et absterget Dominus Deus lacrymam a cunctis faciebus"

Er vernichtete den Tod für immer und Gott der Herr wird die Träne von allen Gesichtern wischen.

Die Übersetzung des Hieronymus in der Vulgata lautet: "Mortem PRAECIPITABIT in sempiternum et auferet Dominus Deus lacrimam ab omni facie". Er kommentiert die Stelle:

Hoc erit officium Christi: ut PERDAT et DEVORET mortemDas wird die Aufgabe Christi sein: den Tod zu vernichten und zu verschlingen.

IV. Semantische und gematrische Aspekte

1.      Als semantischer Aspekt sind die beiden Präfixe PER- und IN- anzuführen. PER- kann einen Grund oder eine Vermittlung angeben, die zu Folgen führen und sich durch IN- wiedergeben lassen. Vermittlung ist in einem Werk des Benediktinerabts Rupert von Deutz (1070-1129) erkennbar:

Malus fructus, immo malus morsus, quo Adam PER Evam vitam PERDIDIT et mortem INVENIT; bonus fructus, quo humanum genus PER Mariam mortem PERDIDIT et vitam INVENIT.

Böse Frucht, vielmehr ein böser Biß, durch den Adam unter Mitwirkung Evas das Leben (= die göttliche Gnade) verlor und den Tod fand; gute Frucht, durch den das Menschengeschlecht unter Mitwirkung Marias den Tod verlor (= vom Tod befreit wurde) und das Leben fand.

In dieser Stelle ist die Umkehrformel voll ausgeführt. Es ist zu unterscheiden, daß Jesus durch seinen Tod am Kreuz den Tod besiegt hat und die Menschheit vom Tod befreit hat, sodaß sie das Leben finden kann.

2.      Heilsgeschichtliche Vorsehung erstreckt sich nicht nur auf die Entwicklung von Sprache, sondern auch auf gematrische Sinnfügung. Die Umkehrformel hat demnach ihre vollkommene Legitimation darin, daß sinnvolle Zahlenverhältnisse erkennbar sind:

 

PERDIDIT

INVENIT

sm

VITAM

MORTEM

sm

GS

ZS

82

88

170

61

79

140

310

FS

71

69

140

42

64

106

246

 

153

157

310

103

143

246

556

Beide Wortpaare ergänzen sich zu einer 10-er Zahl. Die Zahlensumme (ZS) 140 der Substantive ist gleichzeitig die Faktorensumme (FS) der beiden Verbformen. Auf diese Weise eignen sich die Substantive in besonderer Weise für das Verbpaar.

Die Werte für ADAM und CHRISTUS sind:

 

ADAM

CHRISTUS

sm

ZS

18

112

130

FS

13

76

89

 

31

188

219

Die ZS 310 und 130 sind Umkehrungen. Die Zahlen 1 und 3 bezeichnen den einen Gott in drei Personen. Die beiden Summen spiegeln die Komplementärzahlen von 1 bis 9 in zweistelliger Zusammensetzung und Umkehrungen wider:

19

28

37

46

130

91

82

73

64

310

Die ZS+FS 556+219 der 6 Wörter betragen 775 = 25*31. Es wird dadurch deutlich, daß das Heilsgeschehen unter dem Zeichen des dreifaltigen Gottes steht.

Nicht berücksichtigt wurde bisher das Verbindungswort ET mit der ZS 24. Der erste Halbsatz des ersten Satzes VITAM PERDIDIT ET hat dieselbe ZS 167 wie der zweite Teil MORTEM INVENIT: Das ET ist die konsequente Fortführung der Paradiesessünde. Die Einzelziffern der Primzahl 167 sind auf den Tetraktysstern und seinem Doppelkreis beziehbar:

Das Flächenverhältnis des äußeren Kreises zum inneren beträgt 3:1. Die 6 Kreislinienpunkte des äußeren Kreises und der Mittelpunkt sind in der Zahl 167 zu 7 zusammengezogen.

V. ARBOR LIGNI – LIGNUM CRUCIS

1.      Welche Bedeutung gematrische Gestaltungen auch in christlicher Zeit hatten, zeigt ein Beispiel aus dem oben schon genannten 26. Kapitel des Firmicus Maternus. Er bildet eine sehr auffällige Umkehrung zweier Wortpaare, deren Bedeutung sich dem Verständnis nicht sogleich erschließen will und daher die Vermutung aufkommen läßt, es müsse sich eine gematrische Konstruktion dahinter verbergen:

ARBOR LIGNI pestiferum deceptis pabulum praebuit:

LIGNUM CRUCIS vitam immortali compage restituit.

Ein Baum aus Holz bot den Getäuschten verderbenbringende Speise:

Das Holz des Kreuzes stellte in unsterblicher Fügung das Leben wieder her.

Die Bedeutung der beiden Wortpaare könnte etwa sein: Der Baum ist ein Geschöpf, er besteht aus Holz, das ihm ermöglicht, Früchte hervorzubringen. Der Paradiesesbaum gehorcht seinem Schöpfer, er bringt Früchte hervor, deren Genuß dem Menschen verboten ist. Er ist unschuldig am Sündenfall des ersten Menschenpaares. Dennoch ist das Holz als materielle Grundlage des Baumes ursächlich für die Sünde. Es soll daher auch ursächlich sein für die Wiederherstellung des Paradieseszustandes. Es stellt sich zur Erlösung zur Verfügung. Die Fügung des Kreuzes besteht aus einer vertikalen und horizontalen Achse. Das Kreuz ist eine Neuschöpfung des Baumes.

2.      Die Wörter ARBOR und CRUCIS sowie LIGNI und LIGNUM bilden einen Chiasmus. Jedes der beiden Wortpaare besteht aus 5+6 = 11 Buchstaben. Die ZS sind:

 

ARBOR

CRUCIS

sm

LIGNI

LIGNUM

sm

GS

ZS

51

70

121

49

72

121

242

Beide Wortpaare haben jeweils die ZS 121 = 11*11, der durchschnittliche Zahlenwert (ZW) je Buchstabe ist 11, der ZW des Buchstaben L, der damit die Wörtern LIGNI und LIGNUM zum zentralen Thema macht.

Die Einzelziffern der Zahl 121 geben zwei Halbkreise wieder, wobei der zweite zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt:

Die römischen Götter werden durch die neue Ordnung Gottes abgelöst: Die kapitolinische Trias IUPPITER (109) IUNO (56) MINERVA (77) haben ebenfalls die ZS 242.

3.      Die lateinische Sprache ist für Firmicus Maternus und andere christliche Schriftsteller ein ungehobener Schatz, der die Geheimnisse der Menschwerdung Gottes enthält. Es gilt daher, die Wörter und Formen zu entdecken, die das Geheimnis enthüllen. Es ist also zu erwarten, daß die zwei Wortpaare noch weitere sinnvolle Zusammenhänge enthalten.

Die Zahlen 5 und 6 stellen 5 Durchmesser- und 6 Radialelemente der Kreisachse dar. Man kann daher die vier Wörter auf zwei Achsenkreuzen anordnen, wobei die waagrechte Achse den 5 DM-Elementen entsprechen soll. Die Buchstaben der zweiten Achse sind jeweils von unten nach oben angeordnet:

Jeweils zwei Anfangs- und Endbuchstaben als vier Achsenelemente sowie die Mittelbuchstaben bilden eine numerische Ordnung von 5 Einheiten:

1. Bu.

A

L

sm

L

C

sm

GS

 

1

11

12

11

3

14

26

2. Bu.

R

I

 

I

R

 

 

 

17

9

26

9

17

26

52

Mitte

B

G

 

GN

UC

 

 

 

2

7

9

20

23

43

52

vl. Bu.

O

N

 

U

I

 

 

 

14

13

27

20

9

29

56

l. Bu.

R

I

 

M

S

 

 

 

17

9

26

12

18

30

56

 

31

22

 

32

27

 

 

 

51

49

100

72

70

142

242

26:52:52 = 26*(1:2:2); 56:56 = 56*(1:1)

31+32 = 63; 22+27 = 49; 63:49 = 7*(7:9)

Die ZS der ersten drei Einheiten ist 130, die 4Werte –Summe von IESUS, der letzten beiden 112, die ZS für CHRISTUS:

 

ZS

FS

sm

FW1

FW2

sm

IESUS

70

36

106

14

10

130

Die Bedeutung der fünf Verhältniszahlen wird etwas weiter unten näher erklärt.

Auffällig ist die dreimalige Buchstabenverbindung RI, die Initialen von REX IUDAEORUM – König der Juden auf der Kreuzesinschrift.

4.      Die Zahlen bilden insofern einen sinngefügten Organismus, als jede Zahl konstituiert wird durch zwei angrenzenden Zahlen ihres Mittelwertes. So sind ARBOR 51 und LIGNI 49 konstitutiv für 100 und LIGNUM 72 und CRUCIS 70 für 142. Die Faktorenwerte (FW) der beiden Wortpaare sind 20+14 = 34 und 12+14 = 26, zusammen 60. Beide Summen weisen auf den Oktaeder hin, der aus 26 Elementen besteht: 12 Kanten und 6 Ecken + 8 Flächen. Die Aufteilung 12+14 zeigt sich auch in den Initialen der vier Wörter: ARBOR LIGNI = 1+11 und LIGNUM CRUCIS = 11+3. Ein Oktaeder besitzt eine gemeinsame Mittelbasis aus 8 Elementen für zwei pyramidale Aufbauten aus je 9 Elementen; je eine Oktaederhälfte besteht daher aus 17 Elementen. Ein Oktaeder kann aus einem Achsenkreuz zweier Doppelrauten (DR) des Hexagramms zusammengesetzt werden.

Die 26 Elemente eines Oktaeders lassen sich aufteilen in 17 Elemente einer Hälfte und den Rest von 9 Elementen. Den beiden Zahlen entsprechen die Buchstaben RI, die in den vier Wörtern dreimal nebeneinander auftreten. Dreimal deswegen, weil sich in einem Hexagramm drei Doppelrauten befinden und, wenn jede sich mit jeder verbindet, drei Oktaeder entstehen:

5.      Die ZS 242 der vier Wörter und deren FW-Summe 60 ergibt 302 = 2*151. Die Einzelziffern der Zahl 151 geben die Punktestruktur einer einzelnen DR wieder: 5 Punkte für den hexagonalen Teil und je 1 Punkt für den Erweiterungsteil:

Es ist hier noch einmal auf die ZS der 5 Durchmessereinheiten der vier Wörter zurückzukommen:

26:52:52 = 26*(1:2:2); 56:56 = 56*(1:1)

Die Verhältniszahlen der beiden Klammerausdrücke spiegeln die Punktestruktur der DR wider: 1:2:2 für den Mittelpunkt und die zweimal zwei Horizontalpunkte des hexagonalen Doppeldreiecks, und 1:1 für die beiden Erweiterungspunkte.

Nun besteht ein hexagonales Doppeldreieck aus 13 Elementen, die Oberfläche des Oktaeders aus der doppelten Zahl von 26 Elementen. Bei der Zusammensetzung eines DR-Kreuzes sind jedoch vier Doppeldreiecke beteiligt, das erklärt die Zahl 52. Nach anderer Perspektive besteht ein Oktaeder aus vier DR:

Die Initialen der 4 Wörter ALLC enthalten beide Zählungen: zwei L sind 22, 1+3 hinzuaddiert ergibt 26.

Ein Oktaeder wird demnach durch die Zahlen 26, 44, 48, 52 und 96 gekennzeichnet. Eine Raute besteht aus 5 Linien und 4 Punkten + 2 Flächen, also auf 5+6 Elementen, was die Beziehung zu den beiden ZS 56 herstellt.

6.      Eine DR besteht aus 7 Punkten und 4 Dreiecksflächen. Daher kann man die 22 Buchstaben der vier Wörter in ein DR-Kreuz eintragen. Es gibt hierfür zwei komplementäre Anordnungen: Die Buchstaben jedes Wortes werden reihum, von unten nach oben beginnend, von außen nach innen oder jeweils zwei Wörter durchgehend eingetragen:

Bei der Zusammenfügung eines DR-Kreuzes zu einem Oktaeder werden die äußeren Dreiecke um die Querlinien gefaltet und die Spitzen zusammengeführt. Biegt man die untere Raute nach oben, bilden die äußeren Dreiecke die obere Pyramide und der Mittelpunkt den Eckpunkt der unteren Pyramide. Beiden Pyramiden gemeinsam ist die Mittelbasis. Die Werte dieser Dreiteilung sind:

 

links

sm

rechts

sm

GS

oben

ARLILICR

78

ARNILIIS

87

165

Mitte

BOGNGNUC

79

BOIGGNUC

75

154

unten

RIUMIS

85

RLUMCR

80

165

 

 

242

 

242

484

165:154:165 = 11*(15:14:15)

Die komplementäre Anordnung der Buchstaben führt zu Teilbarkeit durch 11 der drei Bereiche. Jede Oktaederhälfte besteht demnach aus (15+14)*11 = 29*11. Die Zahlen 15 und 14 entsprechen der Summe der Zahlen 1-5 und 2-4, die auf einem erweiterten Achsenkreuz eingetragen werden können, wobei ein Achsenarm die volle Hälfte der Summe 15 erhält und der zweite den Rest:

Die zweimalige Zahl 29 hat trinitarische Bedeutung.

7.    Achsenkreuz und DR-Kreuz sind in LI und GN des Wortes LIGNUM enthalten: Die ersten numerischen Entsprechungen sind 11+9 und lassen sich in zwei komplementären Achsenkreuzen darstellen:

Die ZW von GN, 7 und 13, beziehen sich auf 7 hexagonale Punkte und 13 Punkte des Hexagramms:

Erstellt: Februar 2015

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