Das SATOR-Quadrat in der Palästra von Pompeji

TEIL1: Grundlagen und Details

I. Entdeckung und Beschreibung

II. Deutung und Zuordnung

III. Römische Gematrie

IV. Gematrische Aspekte der Inschriften

a) ZS+FS des SQ und der Begleitinschrift (BI)

b) Die Zahl der verschiedenen Buchstaben in SQ und BI

V. Deutung der zwei Begleitinschriften

VI. SQ+BI auf AESCULAPIUS u. Zahl 19 ausgerichtet

Pompeijanische Eigenschöpfung der Begleitinschriften

MYSTICE, CHLOE und Dreifachzählung des SQ

MYSTICE, CHLOE und Zweifachzählung des SQ

I. Entdeckung und Beschreibung

1.       Über das SATOR-Quadrat (SQ) habe ich seit 2001 zahlreiche Beiträge verfaßt. Hier geht es um das SQ, das 1936 in einer Säulenvertiefung (Kannelure) der großen Palästra von Pompeji entdeckt wurde. Das Besondere an diesem bedeutenden Fund ist, daß er von zwei Ritzungen über und unter dem Quadrat eingerahmt ist. Leider gibt es keine photographische Wiedergabe der obersten Zeile, weswegen eine grafische Nachbildung der Photographie der übrigen Inschrift zur Seite gestellt sei, die sich in dem Artikel "Inscriptiones Pompeianae", Notizie degli Scavi di Antichità 1939 (N.S.), S.264 findet:

Qu. SATOR, Gran Palestra Pompei

Satorquadrat in der Pal�stra von Pompeii

Internetrecherchen zu lateinischen Inschriften können durchgeführt werden unter EDH und EDR.

2.       Für den Verfasser dieses Artikels, Matthaeus DELLA CORTE (1875-1956), steht, unter dem Eindruck des ein Jahrzehnt zuvor gefundenen PATERNOSTER-Kreuzes, außer Zweifel, daß das SQ christlichen Ursprungs ist. Er wiederholt diese Auffassung im Supplementband 3 des "Corpus Inscriptionum Latinarum"(CIL) Bd. IV, Nr. 8623, S.902, während der französische Archäologe Alfred MERLIN (1876-1965) in "L'Année Epigraphique" (LE) 1946, S. 75 die Entstehung des SQ auf orphische oder eleusinische Einflüsse zurückführt und dazu bemerkt, daß es im Christentum deshalb gerne aufgegriffen wurde, weil SATORSämann auf Jesus Christus bezogen werden konnte.

In LE ist das Ensemble der drei Inschriften in 11 Zeilen und in Druckbuchstaben untereinander gesetzt. Das keilförmige Dreieck wird als Delta (D) wiedergegeben, jedoch mit dem darüber befindlichen S als Initiale D für SALUTEM DICITer grüßt gedeutet. Freilich erfordert es keine geringe Vorstellungskraft, diese beiden so verschiedenen und mit ziemlichem Abstand untereinander geschriebenen Zeichen als diese Abkürzung zu sehen. Inhaltlich und gematrisch fügt sie sich jedoch nahtlos ins Ganze ein.

 

3.       DELLA CORTE weist in N.S. S.263 die drei Inschriften einem einzigen Schreiber zu, spätere Interpreten bezweifeln dies. Die folgenden Ausführungen werden zeigen, daß der Rahmentext auf das SQ ausgerichtet ist, also eine inhaltliche Einheit bildet.

Die Höhe der Buchstaben beträgt 6-7 mm, das einzelne S mißt 20 mm (N.S. ibid.).

4.       Das SQ ist von oben nach unten nach Art einer Formel geschrieben. Nach OPERA dachte der Schreiber offensichtlich sogleich an die Rückwärtsschreibung, die für sich genommen ja keine Bedeutung hat und vielleicht nicht einmal als Formel genügend eingeprägt war. Er schrieb also AREPO, merkte aber dann, daß erst TENET an der Reihe war. So ist wohl die eigenartige Schreibung der Mittelzeile zu erklären. Der erste Buchstabe A ist noch relativ gut zu erkennen, weiterhin der schräge Abstrich des R. Auch die übrigen drei Buchstaben NET scheinen über eine Erstritzung durch verstärkten Druck geschrieben.

5.       Die beiden Begleitinschriften (BI) bestehen wie das SQ aus 25 Buchstaben, die untere aus 14, die obere aus 11 Buchstaben. Ebenfalls 14 Buchstaben nimmt das zweimal genannte Wort SAUTRAN ein.

Nicht beachtet wurde bisher, daß in das Dreieck ein T eingeritzt wurde und sich nach dem Wort ANO ein umgekehrtes T befindet.

II. Deutung und Zuordnung

Das Auffälligste an den beiden Inschriften ist die sonst nirgends belegte zweimalige Wortbildung SAUTRAN (SAVTRAN). Die Lautähnlichkeit von SAUTRAN und SATOR ist offensichtlich, selbst die Reihenfolge der Buchstaben ist identisch.

1.       Dem Namen SAUTRAN fehlt die grammatikalische Endung. Erst wenn man die sieben Buchstaben zu SANATURer wird geheilt umstellt, erschließen sich Konstruktion und Sinn der Wortgebilde, die das SQ umgeben.

Daß es sich bei dem Wort um ein Anagramm handeln könnte, ist von keinem Archäologen in Erwägung gezogen worden. DELLA CORTE meinte, es müßte sich um einen Namen SATURANUS handeln, bei dem das T und U vertauscht wurden (S.263).

2.       Wenn das SATOR-Quadrat in die Mitte der beiden Begleitinschriften gestellt ist, wird der Heilende von göttlichem Rang sein. Als ausgesprochener Heilgott kommt nur AESCULAPIUS in Frage, dem in Pompeji in der Nachbarschaft der Göttin Isis ein Tempel geweiht war. Es ist anzunehmen, daß dem Äskulapkult Mysterien angeschlossen waren, von denen die Eingeweihten Heilung an Leib und Seele erhofften. Das Anagramm SAUTRAN würde dann einen Eingeweihten bezeichnen, der sein Wohlergehen ganz den Heilkräften Äskulaps anvertraut hat.

3.       Wie im folgenden durchgehend zu sehen sein wird, bildet die Gesamtinschrift eine stimmige Zahlenkonstruktion. Die 11 Buchstaben des Namens AESCULAPIUS sind Veranlassung für die strukturelle Ordnung von 3+5+3 Zeilen bzw. Wörtern der Gesamtinschrift.

4.       Das überdimensionierte S der Mittelzeile weist zunächst auf die Schlange, das Attribut Äskulaps, hin. Nun wurde mit AESCULAPIUS auch seine Tochter HYGIAGesundheit verehrt, deren Rolle in Italien SALUSGesundheit, Heil, Rettung übernimmt. Als in den Jahren 182-180 v.Chr. eine Pest in Italien wütete, wurden in Rom drei Generationen von Heilgottheiten Weihegeschenke gelobt: APOLLO, seinem Sohn AESCULAPIUS und seiner Tochter SALUS, wie der Historiker LIVIUS in seinem Geschichtswerk 40,37 berichtet.

SALUS wird häufig dargestellt, wie sie einer Schlange eine Futterschale hinhält:

Der Schreiber des Graffito dachte also bei der Grußformel SD an die Göttin SALUS selbst, indem er das S vergrößerte und es so als Schlangenattribut der Göttin kenntlich machen wollte und das Wort so auf seine Personifikation bezog.

5.       Die zweimal drei Zeilen bzw. Wörter der Begleitinschriften haben folgende parallele Struktur:

SAVTRAN

VA

SD

SAVTRAN

ANO

VALE

Den identischen Anfangswörtern entsprechen zwei Grußformeln am Ende: SD als Abkürzung von Salutem Dicit und VALE. Die Bedeutung von VA als gebräuchliche Kurzform von VALE scheidet wegen des Vorrangs von SD aus. Vielmehr sind Form und Bedeutung durch ANO bestimmt. Dem Ablativ AN-O entspricht die Ablativform V-A der a-Deklination. ANUS bedeutet Kreis, Ring.

III. Römische Gematrie

1.       In der Aussage SATOR OPERA TENETDer Schöpfer erhält seine Werke kommt die Überzeugung des Urhebers des SQ zum Ausdruck, daß Gott sich um seine Schöpfung kümmert und auf eine solche Weise in ihr wirkt, daß er sie in der Vollkommenheit ihrer gewollten Ordnung erhält.

Auch der Mensch der römischen Geschichte erkennt sich in die Schöpfungsordnung einbezogen. Er vertraut darauf, daß Gott von ihm Unheil fernhalten und ihm zu seinem Heil verhelfen möchte. Er ist überzeugt, daß Gott seinen Heilswillen durch Zeichen zu erkennen gibt. Diese Zeichen gilt es zu erforschen. Wenn das Dezimalsystem mit seinen kreisförmigen Umdrehungen eine göttliche Ordnung widerspiegelt, können die Bedeutungen der fortlaufenden Zahlen nicht nur erkannt, sondern auch auf die Buchstaben des Alphabets entsprechend ihrer Zahlenposition übertragen, die Zahlensummen von Wörtern ermittelt und ganze Texte nach numerischen Gesichtspunkten gestaltet werden.

Der Ort für die Genese eines solchen Zusammenhangs zwischen Zahl und Buchstabe sind religiöse Kulte, in denen sich göttliche Offenbarung ereignen kann. Sobald sich die Überzeugung religiöser Auserwählung und politischen Herrschaftsauftrags im römischen Bewußtsein gebildet hatte, nahm man alle neuen Zeichen und Ereignisse als göttliche Fügung auf und entwickelte aus der Erkenntnis ihrer Bedeutung kreative Gestaltungskräfte.

Unter diesem Gesichtspunkt deutbarer Zeichen ist auch der Name des Heilgottes AESCULAPIUS zu sehen. Seine Bedeutung erschließt sich aus seinen gematrischen Eigenschaften. Die aus dem Namen gewonnenen Erkenntnisse ließen Beziehungen zum SQ erkennen und führten schließlich zum Wortlaut der beiden Graffiti.

2.       Die Römer waren überzeugt vom umfassenden Wirken Gottes in der menschlichen Geschichte. Demnach enthielt jede Kultur Zeichen göttlicher Weisheit, die sich wie ein Orakel offenbaren konnten. Was sie für ihre eigene Sprache und das lateinische Alphabet beanspruchten, das entnahmen sie komplementär auch aus griechischer Sprache und griechischem Alphabet. Daher konnte der Schreiber das D als Delta-Dreieck wiedergeben.

3.       Von gleicher Bedeutung wie die Zahlenwerte (ZW) der Buchstaben bzw. Zahlensummen (ZS) der Wörter sind die Faktorenwerte (FW) bzw. Faktorensummen (FS). Auf diese Weise kommen vielfältige Beziehungen zustande. Die ZS+FS von ANO – durch den Ring z.B. ist 28+23 = 51, gleichzeitig die ZS von ROTARad. Eine Rolle spielen auch die Differenzsummen zwischen FS und ZS, hier 23+5 = 28.

IV. Gematrische Aspekte der Inschriften

a) ZS + FS des SQ und der Begleitinschriften

1.       Das SQ und die beiden Begleitinschriften haben folgenden Zahlen- und Faktorenwerte (FW):

 

ZS

FS

sm

SAUTRAN VA SD

132

90

222

SAUTRAN ANO VALE

154

117

271

sm

286

207

493

SATOR-Quadrat

303

249

552

GS

589

456

1045

456:589 = 19*(24:31) = 5*11*19 = 55*19

132:154 = 11*(12:14) = 22*(6:7)

Die gematrischen Ergebnisse lassen klar erkennen, daß die obere und untere Begleitinschrift nicht aus der Laune und Kreativität des Augenblicks entstanden sind, sondern sorgfältigste Planung und Berechnung voraussetzen:

·      Aus 11+14 = 25 Buchstaben läßt sich ein 5x5-Quadrat besetzen.

·      Die ZS der oberen und unteren Inschrift sind durch 22 teilbar, der durchschnittliche ZW je Buchstabe ist somit 12 und 11. Im SQ ist der durchschnittliche ZW der 1.+3. Zeile 13, die der 2.-4. Zeile 11.

286 ist die ZS von zweimal PATER NOSTER des SQ und somit auf dieses in besonderer Weise bezogen. 2*11*13, als 2*(11+13) gelesen, weist auf zwei Rauten (links, Mitte) und zwei sanduhrförmige Doppeldreiecke (rechts), die sich in einem DR-Kreuz befinden und durch die die Außenfläche des Oktaeders gebildet werden kann:

·      Die ZS und FS beider 25 Buchstaben sind durch den gleichen Faktor 19 harmonisiert. Damit erhält das T eine besondere Bedeutung für den Verfasser der Inschrift.

Die Faktoren 11 und 19 setzen sich zusammen aus 5+6 Durchmesser- und Radialelementen des einfachen Kreises und 9+10 eines Doppelkreises, der den Tetraktysstern enthält. Dieser Doppelaspekt ist darstellbar in einem Achsenkreuz:

Die Einzelziffern der Verhältniszahlen 24 und 31 weisen auf 2 und 4 Radiallinien im Doppelkreis des Tetraktyssterns hin, denen – hier chiastisch – das Flächenverhältnis 1:3 entspricht:

·      55 ist die Summe der Zahlen von 1-10 und somit den 10 Punkten der Tetraktys und dem Dezimalsystem verpflichtet.

2.       Der Doppelaspekt von ungeraden Durchmesser- und geraden Radialelementen liegt der Konstruktion der Begleitinschriften zugrunde, die zum SQ die komplementär gerade Zahl von 3+3 Wörtern liefern wollen. Um eine Kreishälfte zu bezeichnen, sind die Durchmesserelemente einem halben Kreisbogen und einer halben Fläche zuzuweisen:

Der Urheber der BI hat diese Halbierungsweise in der Berechnung der ZS+FS berücksichtigt. Da das SQ von unten nach oben verläuft, ist die Mittelzeile der unteren Hälfte zuzuteilen:

 

 

SQ

BI

sm

2.H.

ZS

121

132

253

 

FS

94

90

184

sm

 

215

222

437

1.H.

ZS

182

154

336

 

FS

155

117

272

sm

 

337

271

608

GS

 

552

493

 

437:608 = 19*(23:32)

184:253 = 23*(8:11)

272:336 = 16*(17:21); 184:272 = 8*(23:34)

Für die Umkehrungen 23 und 32 gibt es zwei geometrische Bezugspunkte: die numerierte Tetraktys und – als Einzelziffern – die Radialelemente der DR-Zickzacklinie:

4:6 Punkte geben das Kreisflächenverhältnis 3:1 wieder.

3.       Das SQ aus 5 Wörtern ist zweimal in zwei Hälften von je 3 Wörtern aufteilbar:

SATOR OPERA TENET

NET OPERA SATOR

Die Wörter der symmetrischen Zeilen 1-2 und 4-5 bleiben dreimal gleich. Es ergeben sich einmal 5 und zweimal 6, zusammen 17 Wörter. Für die Dreifachzählung erhält man so das Wortmuster:

6-2-1-2-6, zusammengefaßt 6-5-6 oder 8-1-8.

Die entsprechenden ZS sind 363-98-61-98-363, zusammengefaßt in 363-257-363 oder 461+61+461 = 983. Um zwei Hälften zu bilden, wird die Mittelachse der 5 Wörter einer Symmetrieseite zugewiesen: 461+61 = 522 = 18*29.

Die 2 BI und 2 Namensinschriften (NI) lassen sich im Hinblick auf Harmonisierungsverhältnisse so gruppieren:

 

1.H.

 

2.H.

sm

BI

154

BI

132

286

CHL.VA

62

MYST.VA

109

171

 

216

 

241

457

SQ

522

 

461

983

GS

738

 

702

1440

738:702 = 18*(41:39) = 18*80

Auch für die entsprechenden ZS+FS und für die 4Werte lassen sich bei Dreifachzählung Zahlenverhältnisse bilden. Dies ist in einem gesonderten Beitrag dargelegt.

b) Die Zahl der verschiedenen Buchstaben in SQ und BI

1.       Die Zahl 11 ist auch Leitzahl für die Anzahl der verschiedenen Buchstaben:

SQ

A

E

O

 

 

 

N

P

R

S

T

8

BI

A

E

O

V

D

L

N

 

R

S

T

3

ZW

 

 

 

20

4

11

 

15

 

 

 

 

Zu den 8 Buchstaben des SQ kommen noch weitere 3 hinzu. Das P fehlt in den BI, sein ZW 15 wird ausgeglichen durch die Buchstaben DL, zur ZS des SQ kommt also nur der ZW 20 des V hinzu. Die Zahl der unterschiedlichen Buchstaben der BI ist also 10.

Die 8 zu 3 Buchstaben entsprechen 2*4 Symmetrieelementen und 1+2 Mittelpunkten der DM- und Radialelemente der Kreisachse:

2.       Die ZW+FW der Inschriften sind:

 

SQ

A

E

O

 

 

 

 

N

P

R

S

T

 

8

ZW

1

5

14

 

20

 

 

13

15

17

18

19

82

102

FW

1

5

9

 

15

 

 

13

8

17

8

19

65

80

 

 

 

 

 

35

 

 

 

 

 

 

 

147

182

 

BI

A

E

O

V

 

D

L

N

 

R

S

T

 

10

ZW

1

5

14

20

40

4

11

13

 

17

18

19

82

122

FW

1

5

9

9

24

4

11

13

 

17

8

19

72

96

 

 

 

 

 

64

 

 

 

 

 

 

 

154

218

 

 

 

 

 

99

 

 

 

 

 

 

 

301

400

80+96 = 176; 102+122 = 224; 176:224 = 16*(11:14)

24:72 = 24*(1:3); 80:96 = 16*(5:6); 147:154 = 7*(21:22)

Die Summe 218 ist eine Umkehrung der Summe 182 und entspricht in den Einzelziffern dem oben genannten Doppelaspekt von 3:8 Kreisachsenelementen.

Zu den Zahlen 11 und 14 verweise ich auf die Bedeutung der Zahl 154. Die Produktzahlen 16*25 = 400 sind beziehbar auf 25 Punkte und 16 Einzelquadrate des SQ.

3.       Von besonderer Bedeutung sind die ZS 122 und die FS 96 der BI. Die Summe 122 entspricht zweimal der ZS 61 des Wortes TENET, 96 zweimal der ZS der spiegelbildlichen Silben TE–ET. Die Differenzsumme 26 bezeichnet die Eliminierung von zweimaligem N des Mittelpunktes. Die zweimal gleiche Aussage richtet sich demnach an den einzelnen Menschen etwa in folgender Weise: Der Schöpfer erhält seine Werke und da DU zu seinen Werken gehörst, TENET ET TEHÄLT ER AUCH DICH. Das auf das T gerichtete Dreieck der oberen Inschrift könnte auf diesen besonderen Umstand hinweisen. Teilt man die ZS+FS 218 in zweimal 109, kann man sich das TENET-Kreuz einmal als ZS und einmal als FS vorstellen.

Die Konstruktion der 25 Buchstaben wird nicht ohne die Möglichkeit erdacht worden sein, daraus ein Quadrat zu bilden. Indem man die beiden Inschriften als einen Weg von oben nach unten auffaßt, wird man die Buchstaben auch von oben nach unten der Reihe nach anordnen:

Die gewählte Anordnungsweise bringt ANO genau in die horizontale Mitte der 5 Zeilen. Als Heilszeichen erweist sich das Wort durch die Buchstaben DANOS der gesamten Zeile, die zu den Wörtern DONASdu schenkst (Gesundheit) und SANOich heile umgestellt werden können. Charakteristisch für das SQ und eben dieses Quadrat ist die personale Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch. Hier spricht der Mensch sein Vertrauen zur göttlichen Hilfe aus und erhält ihre Zusicherung.

c) SAUTRAN

1.       SAUTRAN hat besondere Eigenschaften, die es mit dem SQ verbinden:

·      Das T bildet die Mitte des Wortes wie auch von SATOR/ROTAS.

·      Die ZS 89 entspricht der ZS des TENET-Kreuzes ohne 4 E: 4xT+N. Bemerkenswerterweise bildet N den Schlußbuchstaben. 3 T können zusammengesetzt werden:

S

A

U

R

A

 

18

1

20

17

1

 

19

38

57

4*19 und die Einzelziffern 7+6 des Ergebnisses 76 sind auf ein DR-Kreuz zu beziehen, das aus 4 DR-Zickzacklinien von je 8+1 = 9 Durchmesserelementen und 8+2 = 10 Radialelementen besteht. Die 12 Binnenelemente erhalten einen eigenen Mittelpunkt, sodaß sich 89 neu zusammensetzt aus 4 Rauten von je 8+8+3 = 19 Elementen und 12+1 = 13 Mittelpunkten. 7+6 = 13 ist auch die FS von 10+9; dreistellig zusammengesetzt ist 109 die ZS des TENET-Kreuzes.

Das TENET-Kreuz, viermal von N aus als NETer webt gelesen, kann mit der Numerierung der 10 Tetraktyspunkte in Zusammenhang gebracht werden:

Die Numerierungssumme der 6 hexagonalen Kreislinienpunkte beträgt 32, der Mittelpunkt ist mit 5 numeriert, zusammen ergibt sich 37.

Die FS 68 = 4*17 bezieht sich auf 4 "Fischfiguren" von je 17 Elementen, von denen es in einer DR zwei, in einem DR-Kreuz vier gibt:

Der FW von 68 ist 21, derselbe Wert wie die Differenzsumme zwischen 68 und 89. Da 89 eine Primzahl ist, ergibt sich so als 4W-Summe 3*89:

 

ZS

FS

sm

FW1

FW2

sm

GS

SAUTRAN

89

68

157

89

21

110

267

2.       Den Einzelziffern der Zahl 89 entsprechen 8 Linien und 6 Punkte + 3 Dreiecksflächen der Fischfigur, von der sich in einer Tetraktys drei befinden, oder 9 Punkte + 8 Linien des DR-Rahmens, wenn die Punkte schleifenförmig numeriert werden:

Die Numerierung zeigt auch eine Begründung für die Buchstaben TE = 5+19, wenn Anfangs- und Endpunkt zweistellig gelesen werden.

V. Deutung der zwei Begleitinschriften

1.       Nach dem Sinn ihrer Zugehörigkeit sind die beiden BI folgendermaßen zu ordnen:

SAVTRAN

VA

SD

SAVTRAN

ANO

VALE

Die Buchstaben VA sind eine Kurzform für VALELebe wohl! Während sich die volle Form nur selten findet, legt die Häufigkeit der Kurzformel nahe, daß es sich weniger um einen Abschiedsgruß, sondern um einen normalen Gruß – oder Wunsch handelt: Sei gegrüßt! Möge es dir gut ergehen! Der Angesprochene steht im Vokativ, ein männlicher Adressat auf -US hat die Vokativform -E, wie z.B. in dem pompeianischen Grafito CIL 04, 01833: CRISPE VA, während die folgenden zwei zusammengehörigen Inschriften nach Della Corte, S.262 zwei weibliche Vornamen bezeichnen. Es erscheint jedoch sinnvoller, MYSTICE als einen Vokativ von MYSTICUS anzusehen, um auf diese Weise exemplarisch beide Geschlechter zu berücksichtigen:

MYSTICE (88+61) VA (21+10)

CHLOE (41+34) VA (21+10)

Die ZS+FS 171+115 = 286 = 2*11*13 ist erstaunlicherweise identisch mit der ZS der beiden BI und dem PATER NOSTER-Kreuz. Die ZS 171 = 9*19 enthält ebenfalls den Faktor 19, sodaß an eine bewußte Ergänzung zu der Gruppierung der drei Inschriftteile zu denken ist. Die erweiterte ZS ist nun 589+171 = 760 = 40*19, die FS 456+115 = 571. Zusammen ergibt sich 1331 = 11³. Eine neue Teilungszuordnung des SQ und die Hinzunahme der zwei neuen Inschriften führen zu folgendem Ergebnis:

 

 

SQ

BI

CHL.VA

sm

1.H.

ZS

182

132

62

376

 

FS

155

90

44

289

sm

 

337

271

106

665

 

 

 

 

MY.VA

 

2.H.

ZS

121

154

109

384

 

FS

94

117

71

282

sm

 

215

271

180

666

GS

 

552

493

286

1331

665 = 35*19 >31; 666 = 18*37 >45; 31+45 = 76

376:384 = 8*(47:48) = 8*95 = 8*5*19

Die beiden ZS+FS 665 und 666 sind Konstitutivzahlen ihrer Summe 1331 und enthalten mit den Faktoren 19+18 die Anzahl der 37 Tetraktyselemente.

Der Name MYSTICE ist inschriftlich bisher nur noch ein weiteres Mal in Pompeij gefunden worden. Der Namen könnte auf den Geheimkult der VESTA und vielleicht des ASCULAPIUS anspielen. Die beiden Namen MYSTICE und CHLOE fügen zu den 11 verschiedenen Buchstaben 5 weitere hinzu. Die ZS+FS der 16 Buchstaben beträgt 191+139 = 330 = 30*11. Die restlichen 7 Buchstaben haben die ZS+FS 85+62 = 147.

2.       Wenn nun einerseits VALE in ausgeschriebener Form die BI abschließt, andererseits SD für SALUTEM DICITer grüßt eine Anrede ausschließt, wird man für VA an eine abweichende, d.h., eine symbolische Bedeutung denken und diese Form parallel zu ANOdurch den Ring als Ablativ deuten:

 

VA ist das Wahrzeichen römischer Gematrie, die im VESTA-Kult ihren Ursprung hat. Denn V-EST-A bedeutet: Die untere Tetraktys ist gleich der oberen Tetraktys. Die obere Tetraktys beginnt mit Punkt 1 = A, die untere endet mit Punkt 20 = V. In ihrer Gestalt sind die beiden Dreiecke gleich, aber in ihrer Verschränkung ergänzen sie sich gegenseitig zu einer Ganzheit. So können sie ein Sinnbild für die innere Gemeinschaft von zwei oder mehr Menschen sein, die sie sich beim Gruß – AVE wünschen und die beim Abschied VALE andauern möge bzw. durch inschriftliches VA in Erinnerung gerufen werden soll.

Nun ist VA nicht notwendigerweise die einzige festlegbare Kurzform für VALE, weswegen man annehmen kann, daß VA im Hinblick auf die Bedeutung der beiden Tetraktys gewählt wurde, da der VESTA-Kult Staat und Gesellschaft verborgen prägte. Nicht jeder kannte freilich das Geheimnis der beiden Buchstaben. Der Steingraveur verbarg also unter der Anordnung einer üblichen Grußformel eine Sonderbedeutung.

3.       Die Umrahmung des SQ durch zweimal SAUTRAN dient also einer menschlichen Kommunikation durch folgende Worte:

Der durch VESTA (VA) Geheilte grüßt den durch den KREIS Geheilten und wünscht ihm Wohlergehen.

Um geheilt zu werden, mag ein Durchgang durch das SATOR-Quadrat wie durch ein Labyrinth erforderlich sein. Das T bildet das Tor, denn mit den umgebenden 4 Buchstaben läßt sich das Wort PORTA zu bilden:

 

Es ist denkbar, daß das T im Delta-Dreieck über dem SQ und das schräg gestellte umgekehrte T links oberhalb von ANO Eingang und Ausgang kennzeichnen soll. Es ist auch vorstellbar, daß mit T das griechische Wort TAU gemeint ist, das durch die drei Buchstaben trinitarische Bedeutung besitzt. In den Tetraktysstern läßt sich ein T einzeichnen:

4.       Ein Ring besteht aus einer Kreisfläche, die von einer größeren und einer kleineren Kreislinie begrenzt wird. Dies ist bei den beiden Tetraktyskreisen der Fall:

Der Heilgott Äskulap wird mit einer CORONA TORTILIS dargestellt, mit einem gewundenen Kranz auf dem Haupt, die Herkunft könnte der Tetraktysstern sein:

Marmorb�ste des Aesculapius mit corona tortilis, sp�thadrianisch

Dieser "textile Wulstkranz" konnte allerdings auch von Priestern und "zum Symposion Gelagerten" getragen werden (Erika Simon, Die Götter der Römer. Hirmer 1990, S. 23; daraus auch vorstehende Abbildung). s.a. ANUS.

5.       Nun bestehen die Wörter PATER NOSTER, wie der Name AESCULAPIUS, aus 11 Buchstaben, die man zweimal in ein Doppelrautenkreuz eintragen kann, indem man Punkte und Flächen besetzt; das N des Mittelpunktes steht nur einmal zur Verfügung:

Die ZS von PATER NOSTER ist, zweimal gelesen 286, die ZS der 25 Buchstaben der BI. Besetzt man die Querlinien mit den verbleibenden A und O des SQ, läßt sich mit dem N des Mittelpunktes das Wort A N O bilden. Das AO der Querlinien ist jeweils den Wörtern OPERA/AREPO entnommen. Das eingeritzte A unterscheidet sich in der Ausführung von den anderen. Ob der Schreiber nur eine andere geläufige Art wählte oder ob es sich um zwei verschiedene Personen handelt, muß offen bleiben.

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6.       Die 6 Buchstaben der Mittelbasis lassen sich zum Wort TOSTAE umgruppieren. In einer einzigen Stelle der klassischen Literatur verwendet diese Wortform Ovid in Met. 11, 119/120:

gAVdenti mensAs posVere ministri/ (345+249)

ExstrVctAs dApibVs nec TOSTAE FRVGIS egentes. (456+333)

Dem sich Freuenden stellten die Diener Tische auf,

die mit Leckerbissen gefüllt waren und denen Röstbrot nicht fehlte.

Gemeint ist der legendäre König Midas aus Phrygien, der sich von Dionysos gewünscht hatte, daß alles, was er berührte, zu Gold werden sollte. Daß davon auch die Speisen betroffen sein könnten, daran dachte er nicht. Das Wort AVRUMGold mit dem Rautenmuster der Buchstaben AV wird Ovid veranlaßt haben, das Anagramm zu verwenden. Er macht den Beginn der Assoziation mit GAVDENTI und wechselt mit A und V stets gleichmäßig ab, wobei das dritte von fünf Paaren die Umkehrfolge VA aufweist.

In der ZS 456 ist die ZS 152 der Mittelbasis des Oktaeders dreimal enthalten. Die FS 61+52 = 113 von TOSTAE FRUGIS entspricht den ZS von TENET OPERA – er halt seine Werke. 113 ist auch die ZS+FS 70+43 des Wortes AVRUM.

Ovid erzählt die Geschichte von Midas und seine Goldgier nicht nur im 11. Buch, womit er das A und V der 11 Rautenelemente berücksichtigt, sondern wählt für das Wort TOSTAE die Zeilenzahl 120, die aufgeteilt in 1 und 20 die Buchstabenpositionen des A und V ausdrücklich hervorhebt.

Das PATERNOSTER-Kreuz kann mit zwei oder einem N als Symmetriemittelpunkt gelesen werden. Im ersteren Fall ist die ZS 286 = 2*11*13, im letzteren 273 = 21*13. Ovid hat die Häufigkeit der Buchstaben für PATER und NOS so berechnet, daß die Ergebnisse den beiden Sichtweisen entspricht:

 

P

A

T

E

R

sm

N

O

S

sm

GS

ZW

15

1

19

5

17

57

13

14

18

45

102

Hfk.

2

5

7

10

4

28

5

2

10

17

45

ZS

30

5

133

50

68

286

65

28

180

273

559

Auf der Basis der angegebenen Häufigkeit ergeben sich folgende ZS+FS:

 

ZS

FS

sm

PATER

286

272

558

NOSTER

524

414

938

 

810

686

1496

1496 = 8*11*17=136*11

Das ZS+FS-Ergebnis zeigt, wie ein einzelnes PATERNOSTER (143+121 = 3*8*11), selbst Teilbarkeit durch 11 aufweist. Die Zahl 8 kann sich auf die 8 Flächen des Oktaeders beziehen. Die äußeren Elemente eines Oktaeders (=ohne Volumen) betragen 26, eine einzelne Hälfte 17. Die ZS 102 der 8 Buchstaben des SQ können also als drei Oktaeder verstanden werden, die zustande kommen, wenn sich jede Doppelraute mit jeder verbindet.

7.       Wie war der Ablauf der Eingravierung? Da ich die Inschrift nicht persönlich in Augenschein genommen habe, sind einige Unbekannte in Betracht zu ziehen.

·      Das SATOR-Quadrat und SAUTRAN VALE zeigen dieselbe Art der Ausführung hinsichtlich der Buchstaben und der Gravurtiefe. Die drei Teile sind in etwa dem gleichen Abstand ausgeführt.

·      Da der Graveur offensichtlich bereits vorhatte, das S besonders groß und einzeln auszuführen, wählte er oben einen größeren Abstand vom SQ.

·      Damit das S besonders ins Auge fiel, mußte er das D unscheinbarer gestalten und dafür einen geeigneten Platz finden. Das erwies sich gar nicht so einfach, also rückte er es unmittelbar oberhalb des SQ und gab ihm die Gestalt eines Delta in der Funktion eines Hinweiskeils.

·      Zuletzt dürfte ANO eingeritzt worden zu sein.

 

TEIL2: Der Rahmentext – eine pompejanische Eigenschöpfung

Untersucht werden die gematrischen Eigenschaften des Wortes POMPEII und in Bezug zu den Begleitinschriften gesetzt.

TEIL3: Weitere Deutung des pompejanischen SATOR-Quadrats

Diese Ausführungen stammen aus dem Jahr 2009. Es wird das Anagramm SANATURO NAVALE eingeführt und näher untersucht. Ein dem SQ vergleichbares Buchstabenquadrat wird rekonstruiert.

TEIL4: Drei Oktaeder aus dem SQ und den Begleittexten

Die Zahl 19 erweist sich weiterhin als gemeinsame Grundlage des SQ und der beiden Begleittexte.

TEIL5: SAUTRAN und das PATERNOSTER-Kreuz:

Behandelt wird das Prinzip von 1 und 2 Mittelpunkten des PN-Kreuzes. Die ZS+FS von SAUTRAN und NOSTER sind gleich; Aufteilung und Bedeutung von NOS-TER.

TEIL6: POMPEII als Modell der zentralen Konstruktionsidee

Erweitert und vertieft TEIL3.

 

Erstellt: August 2012

Letzte Änderung: Mai 2020

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